Homepage von Siegwalt Lindenfelser
  Gedichte
 
Heimkehr

Kronen der Bäume im Winde wogen
Das Laub aufwirblet in hohem Bogen
Früher Dämmrung fahles Licht
Durch der Äste Dickicht bricht

Erhellet die Blätter am Wegesrand
Es nahen zwei Menschen – Hand in Hand
Hold das Weib, edel ihr Begleiter
So schreiten sie fort, weiter und weiter

Nachfolgend heimatlichem Rufe
Überwinden sie spielend Stufe um Stufe
Selbstlos ihre Herzen, lauter und rein
Ihr Ziel in der Ferne, ein heller Schein

Immer näher kommen sie dem Licht
Verkläret wundervoll ihr Angesicht
Ergriffen, voll Friede und Andacht
Wahre Demut in ihnen erwacht

Erfüllt von Dank ihr ganzes Wesen
Durften sie doch von Fehlern genesen
Und nun eingehen in ewiges Reich
Oh Mensch begreife – und tu es ihnen gleich!
(Siegwalt Lindenfelser, 26.10.08)


Rastlos

Wie sich die Stille in den Abend senkt
Die Zeiger ungerührt im Kreise schreiten
So naht kein Traum, der jenen Schmerz ertränkt
Und flieht der Schlaf, ertönen tiefre Saiten.

Dort draußen schweigt und friert die kühle Nacht
Im Nebel schwingen klagende Gesänge
Mir ist schon lange kalt, und niemand lacht
Wen noch, denn mich, erdrückt die Last, die Enge?

Gab es die Zeit, in der ich glücklich war?
Schien einst, zu Tag, die Sonne hell und klar?
Nun dämmre endlich, brich, du neuer Morgen,

Brich an, erhell’, den Dürstenden zu laben
Verscheuch das Eis, die schwarzen Krähn und Raben
In deiner Wärme fühl’ ich mich geborgen.
(Siegwalt Lindenfelser, 14./17.12.2011)


Abend
(Holodaktylen mit Katalexe als Sonderform epischer Hexameter in Blockreimbindung)

Jäh nie verging mir dein Angesicht, Luna, dein leuchtender Mondlauf
Ewig ergießt sich das strahlende Licht in die Welt und belebet.
Namenlos glücklich der fühlet das Feuer, das ihn nur erhebet
Niemals er frieret, gewärmt von den Flammen, und nie hört der Glanz auf.
Immer verklärter die Züge, er badet im kühlenden Mondschein
Fühlt ihre Augen, die trauten, die warmen, sie ruhn in den seinen.
Eben verdecken die Wolken die Sterne dort über den Hainen
Rieselnd fällt Regen, wir stehen erschauernd und freun uns am Dasein.

(Siegwalt Lindenfelser, 27.09.2011)


Dämmerung
(Reimgleiche fünfhebige jambische und trochäische Terzinen)

Rascher, stärker strömt es auf mich ein
Anders, dunkler scheinen mir die Reben –
Arglos trinke ich den schweren Wein.
Schon glüht die Lohe, Funke war’s noch eben
Choräle wehen sehnsuchtsvoll herein –
Hinaus, es ist ein Neubeginn im Leben.
(Siegwalt Lindenfelser, 16./17.12.2011)


Schwermut

Schleier sinken in die Täler,
Dunkel scheint die Welt zu sein –
Sie verzeiht dir keine Fehler,
Lässt dich mit der Nacht allein.
(Siegwalt Lindenfelser, August 2011)


Dies Irae

Hörst du nicht die Fluten tosen
Wogen türmend zum Gericht
Brausend schon den Fels liebkosen?

Sie tändeln weiter, hören nicht
Zertrümmern Bergkristall in Scherben
Bis dass der Menschenwille bricht.

Mit Flittergold sie locken, werben
Wo Gier und Leidenschaft aufzischt
Wo Harmonie und Tugend sterben.

Übermächtig brandet Gischt
Brüllend an die schwarzen Steine –
Stolz und Eitelkeit erlischt.

Und donnernd tönt: Wo ist das Reine?
(Siegwalt Lindenfelser, 16.–18.09.2011)



 
   
 
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