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  Grundlagen einer Ehe
 

– Nachfolgender Text wurde im Rahmen eines Webseiten-Formats Frage der Woche
im Mai 2014 online veröffentlicht –

 

Welche geistigen Grundlagen benötigt eine Ehe?


Frage: Ich versuche, mein Leben im Sinne des Werkes „Im Lichte der Wahrheit“ auszurichten, und mir ist klar, daß die Ehe im Leben jedes Menschen einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen sollte. Dennoch frage ich mich, welche Grundlagen für eine im geistigen Sinn richtige Ehe konkret vorhanden sein müssen. Läßt sich dazu verallgemeinernd etwas sagen?

Antwort:
Abd-ru-shin bezeichnet in seiner „Gralsbotschaft“ die Ehe als den „ernstesten aller Schritte im Erdenleben“. Das beinhaltet die Warnung, eine Ehe nicht vorschnell und leichtfertig einzugehen, gewissermaßen als Experiment mit ungewissem Ausgang, sondern sich dabei wirklich im klaren zu sein, ob der andere ein geeigneter Partner für ein gemeinsames Erdenleben ist – und man selbst der geeignete Partner für den geliebten anderen.
Diese Frage sollte nicht aus rationalen Erwägungen heraus entschieden werden, sondern ist Sache der Empfindung, denn es muß ein tiefer Wunsch sein, der einen Menschen dazu treibt. Die besondere Schwierigkeit der heutigen Zeit liegt wohl darin, sich selbst darüber klar zu werden, wie tief der Wunsch wirklich ist, denn für den modernen Menschen ist es schwer „zu unterscheiden, was echte Empfindung in ihm ist, und was nur lediglich Gefühl.“ (Vortrag „Die Empfindung“)
Das schon fast märchenhaft anmutende Idealbild von einem „Erkennen auf den ersten Blick“, wovon auch heute noch sehnsuchtsvoll geträumt wird, sollte eher als große Ausnahme betrachtet werden. In der Regel ist wohl von einem längeren Prozeß inneren Prüfens auszugehen. Geduld und Vertrauen sind dabei wertvolle Wegweiser. Für eine gesunde, tragfähige Ehe im Sinne der Gralsbotschaft sind in erster Linie die folgenden Voraussetzungen grundlegend:
• Wirkliche seelische Liebe: Sie geht weit über bloße körperliche und gefühlsmäßige Anziehung hinaus und hat „mit Verliebtsein nichts zu tun“ (Vortrag „Pflicht und Treue“), auch nicht mit dem Strohfeuer einer Leidenschaft, das vielleicht noch durch Phantasie und Reize künstlich angestachelt wurde. Gerade in der Anfangsphase einer entstehenden Liebe ist darauf zu achten, hier keiner Verwechslung anheimzufallen: „Der große Fehler dieser Menschen ist nur oft, daß sie einem im Anfang stets schwachen Gefühlsdrucke nachzugehen sich bemühen, ihn gewaltsam in sich halten, pflegen mit gekünstelter Phantasterei.“ („Die Zehn Gebote Gottes und das Vaterunser“, 6. Gebot) Die hierfür allein in Frage kommende „reine Liebe, die nichts anderes kennt und will als nur das Wohl des geliebten Menschen“ (Vortrag „Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“) ist selbstlos und idealstrebend. In der Gralsbotschaft sind drei Stufen dieser Art der Liebe beschrieben: das sich Unwertdünken dem anderen gegenüber, der Drang, schützend die Hände über ihn zu halten und schließlich „der heiße Wunsch, recht Großes für den geliebten Anderen in edlem Sinne tun zu können“ (Vortrag „Der Mensch und sein freier Wille“). Mit einer solchen Liebe ist automatisch als starkes Bedürfnis die Treue verbunden, außerdem die so notwendige gegenseitige Achtung und Rücksichtnahme. „Es soll der Mensch niemals mit einem anderen zusammen leben, welchen er nicht achten kann!“ (Vortrag „Ein neu Gesetz“) Wieviel mehr noch gilt diese allgemeine Warnung als zuverlässiger Prüfstein für eine Ehe.
• Geistige Harmonie: In Verbund mit der Liebe sollte zwischen beiden Beteiligten Harmonie und Frieden herrschen, eine Art „Seelenfreundschaft“. Dies bedingt, daß beide Menschen in ihrer Art zueinander passen, sich gegenseitig sinnvoll ergänzen. Dabei wird eine Seele durch eine solche Seele ergänzt, „welche gerade die Fähigkeiten entwickelt hat, die die andere Seele in sich schlummern ließ“ (Vortrag „Geschlecht“). Oft kann daher beobachtet werden, daß ein Ehepaar sich gegenseitig in seinen Extremen ausgleicht und so zusammen ein harmonisches Ganzes bildet. Selbstverständlich sollten Partner aber auch auf verschiedenen Gebieten Gleicharten in sich tragen als Grundlage für gegenseitiges Verstehen. Damit im späteren Zusammenleben nicht einer der Partner zu kurz kommt, keine Einseitigkeit entsteht, ist deshalb eine weitere Voraussetzung zu beachten, nämlich „daß auch der Bildungsgrad der sich Verbindenden keine zu große Kluft aufweist! Das ist eine Bedingung, die das Gesetz der Anziehung der Gleichart in dem großen Weltall fordert …“ („Die Zehn Gebote Gottes und das Vaterunser“, 6. Gebot). „Harmonie“ sollte dabei aber auch nicht irrtümlich als völlige Abwesenheit von Auseinandersetzungen mißverstanden werden, denn die Ehe dient dazu, aneinander zu reifen, und dies geschieht durch gemeinsames Erleben sowie naturgemäß durch Reibung. So, wie ein gutes Musikstück aber jede Dissonanz zuverlässig wieder auflöst, sollte es auch im zwischenmenschlichen Bereich sein.
Alles im Leben ist auf Entwicklung ausgelegt, und gerade die Ehe bietet dazu eine besondere Chance: „Freudig, einer im freiwilligen Dienste des anderen, wachsen sie aneinander empor zu geistiger Veredelung, Schulter an Schulter lächelnd den irdischen Mühsalen entgegenblickend.“ (Vortrag „Die Ehe“) Es muß dafür aber „mit ganz reinen Absichten“ an die Ehe herangetreten werden, nicht aus zweckmäßigen Überlegungen, aus bloßer Kameradschaft zur weniger tristen Alltagsbewältigung oder aus dem Hoffen auf bessere Verhältnisse, auf mehr Glück durch Zweisamkeit.
Die Ehe sollte nicht als der behagliche Hafen mißverstanden werden, in dem der andere für das eigene sorglose Lebensglück zuständig ist. Im Gegenteil: Eine tragfähige Ehe fordert ständige Bewegung, „gemeinsame Arbeit und hohe Ziele“! Erst mit diesem beständigen Engagement kann sich dann im gerechten Ausgleich auch Glück und Aufschwung einstellen.


 
   
 
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