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  Zwischengeschlechtliche Freundschaft
 

– Nachfolgender Text wurde im Rahmen eines Webseiten-Formats Frage der Woche
im Juni 2014 online veröffentlicht –

 

Kann es bloße Freundschaft zwischen Mann und Frau geben?


Frage: Ist zwischen Mann und Frau eine echte Freundschaft ohne Partnerschaft überhaupt möglich? Sehr häufig, meinen persönlichen Erfahrungen nach so gut wie immer, wird zumindest für einen Zeitraum von einer Seite mehr gewollt – die Hoffnung stirbt zuletzt –, und so entsteht durch so etwas nur sehr viel Verwirrung und Leid. Aber muß es zwangsläufig immer so sein? Ist eine Freundschaft zwischen zwei Geschlechtern gleichen Alters gegen die Schöpfungsgesetze?

Antwort:
Über diese Frage ist – zum Beispiel unter dem Stichwort der „platonischen Freundschaft“ – schon viel nachgedacht worden. Im Hintergrund steht die Erfahrung, daß sich eine Freundschaft mit der Zeit und zunehmendem gemeinsamen Erleben nicht nur festigt, sondern zugleich auch vertieft, das Band der Zuneigung stärker wird. Früher oder später stellt sich dann in der Regel für mindestens einen der Beteiligten die Frage, ob der Freund oder die Freundin nicht schon auf dem Weg ist, langsam zum Gefährten im partnerschaftlichen Sinne zu werden.
Eine wichtige Einsicht, um hier zu Klarheit zu gelangen, ist zunächst die, daß Zuneigung und in stärkerer Form Liebe von körperlicher Anziehung durchaus unabhängig sein kann, wie Abd-ru-shin in seiner „Gralsbotschaft“ ausführt: „Seelische Liebe aber hat mit dem grobstofflichen Körper nichts zu tun, verlangt auch nicht darnach, da die Trennung aller Schöpfungsarten stets vollkommen bleibt.“ (Vortrag „Der Freundschaftskuß“) Wie selbstverständlich zeigt sich dies in der Beziehung guter Geschwister oder zwischen Eltern und ihren Kindern, und es spricht zunächst nichts dagegen, dies auch grundsätzlich für das Verhältnis von Frau und Mann anzunehmen.
Den entscheidenden Unterschied macht die angesprochene Weisheit „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. In nahen Verwandtschaftsverhältnissen käme von vornherein niemand auf die Idee, an eine Partnerschaft zu denken. Ob eine reine Freundschaft zwischen beiden Geschlechtern also dauerhaft und ohne Leid oder Grenzüberschreitungen sein kann, hängt meines Erachtens entscheidend daran, wie deutlich das Verhältnis geklärt ist. Ist dies nicht schon von vornherein der Fall (dadurch, daß einer oder beide Beteiligten in eine feste, gut funktionierende Partnerschaft eingebunden sind oder durch sonstige Umstände, die den Gedanken an eine enge Bindung nicht aufkommen lassen), so wird die enger werdende Freundschaft wohl mit der Zeit notwendig auf eine Klärung zulaufen. Gesetzt nun den Fall, eine Partnerschaft ist nicht denkbar – entweder vonseiten einer der beiden Parteien oder grundsätzlich (vgl. dazu den Text: „Grundlagen einer Ehe“ auf dieser Webseite). Damit die Freundschaft dann mit dem alten Sich-unbedingt-vertrauen-Können unbeschadet fortbestehen kann, müssen beide überzeugt sein, daß die Möglichkeit einer Partnerschaft nicht besteht oder nicht sinnvoll wäre. Unausgesprochenen Wünsche, die sonst mit der Zeit wieder aufkeimen mögen und sich für den anderen störend in die Freundschaft mischen – die Hoffnung stirbt eben zuletzt –, ist damit von Beginn auf der Nährboden entzogen.
Es mag dabei hilfreich sein, in größeren Zusammenhängen zu denken, die über dieses eine jetzige Erdenleben hinausgehen. Jeder Mensch und wahrscheinlich auch die gerade in Frage stehende enge Freundschaft hat eine Vorgeschichte, die in frühere Zeit zurückreichen kann. Viele und wohl gerade die Menschen, mit denen wir in einem früheren Leben sehr nahen Umgang hatten, treffen wir wieder, und es ist kein Wunder, daß sich dann die Frage nach dem „jetzt richtigen Verhältnis“ stellt.
Aus einer weiter angelegten Sinn-Perspektive ergibt sich auch, daß die grundsätzliche Vermeidung einer gegengeschlechtlichen Freundschaft aus Angst vor seelischen Wunden hieße, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Sind wir doch auf der Erde, um uns gerade an den Mitmenschen reifend zu entwickeln. Auch in möglichem Leid liegt eine große Chance zu seelischem Wachsen und um die innere Stimme besser verstehen zu lernen. Hilfreich ist hier –wie in allen Bereichen – das Vertrauen, daß nichts sinnlos und zufällig geschieht, ja immer zu unserem Besten gereichen muß, wenn wir selbst das Gute wollen.
Echte Freundschaft kann nicht gegen die Schöpfungsgesetze sein, denn als höchstes Gebot für den zwischenmenschlichen Umgang steht die Nächstenliebe. Wohl aber sind für den angesprochenen Fall der Freundschaft zwischen Mann und Frau ähnlichen Alters besondere Wachsamkeit und scharfe Grenzen erforderlich. Die heute teilweise praktizierten „Freundschaften mit Vorzügen“ unter Einbezug von Körperlichkeit sind natürlich klare Überschreitungen solcher Grenzen. Vor dem verschiedentlich gepflegten „Freundschaftskuß“ warnt der gleichnamige (oben bereits angeführte) Vortrag Abd-ru-shins, da hier ebenfalls Körperlichkeit ins Spiel kommt, was nicht ohne Folgen bleiben kann. Selbst über das vertraute „Du“, das ungleich mehr Nähe schafft als das „Sie“, ist im Sinne der Qualität und „Reichweite“ einer Beziehung nachzudenken. Das heute in manchen Kreisen schon verpönte „Sie“ kann ein Schutz sein, der eine klare Grenze setzt und beiträgt, eine zu rasche und intensive Annäherung zu vermeiden.
Doch eine Freundschaft ist immer eine Bereicherung – und gerade Freundschaften zwischen Mann und Frau, wenn sie auch große Anforderungen an beide Beteiligten stellen mögen, können als besonders wertvoll empfunden werden. Bei einer Umfrage der Universität Oldenburg wurden daran zum Beispiel die oft anderen Blickwinkel geschätzt, das Gefühl einer andersartigen Ergänzung als bei gleichgeschlechtlichen Freunden, ein geringeres Konkurrenzverhalten und aus Perspektive der Männer offenere und emotionalere Gespräche als mit dem eigenen Geschlecht. Nicht zuletzt kann eine Freundschaft natürlich durchaus das Fundament einer späteren Partnerschaft bilden. Wichtig ist die stetige Selbstvergewisserung, daß die eigene Zuneigung rein und ehrlich ist, das heißt selbstlos. Dann kann sie nie gegen ein Schöpfungsgesetz verstoßen und kann auch wieder loslassen, wenn es nicht sein soll, da sie in allererster Linie auf das Wohl des Freundes oder der Freundin bedacht ist.
 
   
 
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